Digitalisierung im Gesundheitswesen Schweiz – ein Blick zurück und voraus
Seit Ende 2005 bewege ich mich im eHealth-Umfeld der Schweiz in verschiedenen Positionen und Funktionen. An vielen Systemen und Projekten, die nachfolgend erwähnt werden, habe ich mitgearbeitet. Zurzeit befindet sich das digitale Gesundheitswesen in der Schweiz in einer neuen Findungsphase: Der Durchbruch des elektronischen Patientendossiers (EPD) ist ausgeblieben, und sein Nachfolger, das elektronische Gesundheitsdossier (EGD), wird nun vorbereitet. Grundlegend dafür ist aber die Verabschiedung und Inkraftsetzung des neuen Gesetzes. Das Programm DigiSanté ist seit einem Jahr unterwegs, und es wurden bereits wegweisende Beschlüsse gefasst und Konzepte abgesegnet – doch der Weg bis zum Abschluss ist noch weit, und es müssen noch einige Hindernisse überwunden werden.
Digitalisierung Gesundheitswesen Schweiz
Doch der Reihe nach.
Sichere Kommunikation
In den Anfangsjahren war ich im Bereich der sicheren Datenübertragung – dem HIN-Client – unterwegs. Gesundheitsdaten sind besonders schützenswert. Dies beginnt bereits bei der Datenübertragung und nicht nur beim Speichern. Deshalb wurde HIN, heute 30 Jahre alt, gegründet. Sie betreibt seither eine Plattform für den sicheren Datenaustausch, insbesondere für den geschützten E-Mail-Verkehr, aber auch als sicheren Kanal mit Authentifizierung und Autorisierung für diverse Online-Dienste.
Das HIN-System wurde auch genutzt, um Leistungsabrechnungen der Ärzteschaft unter Verwendung des XML-Standards des Forums Datenaustausch elektronisch an die TrustX-Austausch- und Verarbeitungsplattform zu übermitteln. Rein technisch betrachtet waren dies für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Methoden des digitalen Datenaustauschs – nicht mit proprietären, sondern mit einheitlich definierten Formaten und Schnittstellen als nationalem Standard. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass die Digitalisierung des Rechnungsdatenaustauschs vergleichsweise rasch umgesetzt wurde, da es letztlich ums Geldverdienen geht und die Abrechnung in diesem Format und dieser Struktur verbindlich vorgeschrieben ist. Sobald ein Anwendungsfall verpflichtend ist, wird er auch zügig in den Systemen implementiert. Im Kontext klinischer Daten verhält es sich anders, denn damit lässt sich bis heute kein Geld verdienen.
Beginn der Online-Systeme
In den 2000er-Jahren begann man, das WWW zu nutzen, um Praxissysteme online zu betreiben, und dachte bereits an das Teilen von Daten. Die Ärztekasse begann damals mit dem Aufbau einer webbasierten Krankengeschichte. Grundlage der Anwendung waren die Sicherheit der Daten sowie eine verschlüsselte Ablage inklusive Zugriffsrechten über kryptografische Verfahren. Klinische Daten wurden zwar als Freitext gespeichert, jedoch unter Berücksichtigung der nach dem SOAP-Schema definierten Einheiten strukturiert abgelegt. Teilweise kamen dabei bereits Codes aus entsprechenden Codesystemen zum Einsatz, sodass man diese Daten als semistrukturiert bezeichnen darf. Medikations-, Allergie- und Impfdaten wurden von Anfang an als strukturierte Elemente erfasst; ein Medikationsplan mit Interaktionscheck war ebenfalls bereits vorhanden.
Der erste digitale Austausch – der Import von Laborresultaten – erfolgte zunächst, wie damals üblich, mit proprietären Formaten. Schon früh kamen jedoch auch HL7® V2®-Nachrichten hinzu, die beim jeweiligen Patienten abgelegt und in der Oberfläche entsprechend dargestellt wurden.
Ebenfalls zu dieser Zeit unterstützte die Swisscom Mitarbeiterideen, die dann in Projekten umgesetzt werden konnten. Darunter war auch die Idee eines sicheren Patientendossiers namens Evita. Das System basierte auf einem hohen Sicherheitsniveau: Sowohl Patienten als auch angeschlossene Ärzte speicherten ihre privaten Schlüssel und – bei den Patienten – auch die notfallrelevanten Daten auf einer USB-Karte im Kreditkartenformat. Die Karte verfügte über einen sicheren Schlüssel- und Datenspeicher, sodass der Patient seine Daten stets bei sich tragen konnte. Die Applikation befand sich ebenfalls auf dieser USB-Karte und konnte direkt davon gestartet werden. Idee und System waren ihrer Zeit sicher um zwanzig Jahre voraus. Das Hardware-Token sorgte allerdings für einige technische Probleme: In Spitälern wurden USB-Ports oft gesperrt, und strenge Firewall-Regeln führten zu Kommunikationsproblemen zwischen der App und dem Server. Aufgrund des hohen Sicherheitsniveaus war ein automatischer Datenaustausch mit Drittsystemen ohne physische Anwesenheit und aktive Applikation nicht möglich.
In der für alle Beteiligten kostenlosen Pilotphase konnte das System ausgerollt und betrieben werden, und es wurden wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Leider musste es kurz nach der Überführung in den produktiven Betrieb aufgrund des geringen Interesses in dieser Form eingestellt werden. Stattdessen wurde eine reine Online-Light-Version mit reduzierter Funktionalität eingeführt welche Ende 2024 komplett eingestellt wurde (swisscom-macht-gesundheitsplattform-evita-dicht).
Erfolgreicher standardisierter Datenaustausch
In den 2010er-Jahren wurde aus privaten Mitteln die Online-Plattform meineimpfungen.ch aufgebaut und in Betrieb genommen, betrieben von der gleichnamigen Stiftung. Die Plattform umfasste ein elektronisches Patientendossier mit einem Berechtigungssystem, über das Patientinnen und Patienten ihren Ärzten Zugriff gewähren konnten. Patienten, Ärzte sowie das Digitalisierungszentrum konnten Impfungen eintragen und verwalten. Ein grosser Pluspunkt war der integrierte Impfcheck mit seinem Ampelsystem, der von allen Nutzenden sehr geschätzt wurde und bei manchen Ärzten sogar zu einem eigenen Geschäftsmodell – der Impfberatung – führte.
Das in der Schweiz auf Basis von HL7® CDA® spezifizierte Austauschformat (CDA-CH-VACD) wurde zusammen mit dem IHE-XDS-Profil verwendet, um den automatischen elektronischen Austausch der Impfdaten zu ermöglichen. Mindestens zwei Praxissystem-Hersteller integrierten diesen standardbasierten Austausch in ihre Systeme und führten ihn bei ihren Kunden ein.
Leider musste dieses durchaus erfolgreiche System während der Corona-Pandemie 2021 infolge einer Kampagne rund um eine Sicherheitslücke ausser Betrieb genommen werden. Die über 350'000 Dossiers waren für ihre Besitzer eine Zeit lang nicht mehr zugänglich, wurden dann aber von eHealth Aargau wieder zur Verfügung gestellt und konnten direkt in ein bestehendes EPD überführt werden.
Ohne diesen Reputationsschaden hätten wir heute vermutlich ein fortschrittliches elektronisches Dossier für Daten rund um Immunisierung und Impfen. Der in dieser Zeit entstandene Standard HL7® FHIR® war bereits im Gespräch, und eine FHIR-API wäre heute wohl erfolgreich für die Anbindung der Primärsysteme im Einsatz.
Eine neulich gebildete Joint Arbeitsgruppe der HL7 Schweiz und openEHR Schweiz hat sich dem Thema angenommen und hat das Ziel den am GovTech Hackathon 2026 implementierten Showcase Digitales Impfdossier weiterzuentwickeln und als produktiven Service für die Fachdomäne Impfen des SwissHDS weiterzuenwickeln.
Das Austauschformat CDA-CH-VACD wurde von der ELGA in Österreich als Elektronischer Impfpass übernommen, für deren Bedürfnisse angepasst und ist seit der Corona-Pandemie erfolgreich im Einsatz.
In der Schweiz wurde 2022 der Grundsatzentscheid gefällt, sämtliche CDA-Austauschformate in entsprechende HL7® FHIR®-Formate zu überführen.
eHealth Austauschformate Schweiz
Austauschformat vorhanden – Systeme nicht
Das Jahr 2020 war geprägt von der Corona-Pandemie, die für die Schweiz zu einem regelrechten Digitalisierungs-Weckruf wurde. Es kam zu sehr vielen Krankheits- und Todesfällen, weshalb sogar ein Lockdown verfügt wurde, um das Gesundheitswesen vor einem Kollaps zu bewahren.
Da Corona eine meldepflichtige Krankheit war, mussten Testresultate und Befunde dem Kantonsarzt und dem Bundesamt für Gesundheit gemeldet werden. Ein entsprechendes Austauschformat (CDA-CH-LRPH) auf Basis des HL7-CDA-Standards (Clinical Document Architecture) war zu diesem Zeitpunkt bereits spezifiziert und publiziert. Eine Pilotphase mit einigen Laboratorien war rund ein halbes Jahr vor Ausbruch der Pandemie gestartet. Auf Behördenseite gab es jedoch keine Bestrebungen, ein entsprechendes System aufzubauen – auch nicht, als die Pandemie ihren Lauf nahm. Zu Beginn mussten die Formulare von Hand ausgefüllt und per Fax übermittelt werden, später wurde eine Excel-Vorlage bereitgestellt und die erfassten Daten per CSV übertragen. Es wäre eine Chance gewesen, an einem der damals ins Leben gerufenen Hackathons eine Lösung zu entwickeln, um die Übermittlung über das bereits vorhandene Austauschformat auszubauen.
Heute, im Jahr 2026, sind wir endlich so weit: Wir verfügen über ein auf HL7® FHIR® basierendes Austauschformat, CH ELM, sowie ein entsprechendes System mit einem Endpunkt, über den Laboratorien ihre Befunde einliefern müssen (Verordnung Meldung von Beobachtung übertragbarer Krankheiten).
Das EPD – das Ablagesystem des Patienten
Im Jahr 2007 wurde die Strategie eHealth Schweiz 1.0 publiziert mit dem Ziel, Informations- und Kommunikationstechnologien zur Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen einzusetzen, um Prozesse qualitativ besser, sicherer und effizienter zu gestalten. Im selben Jahr schlossen Bund und Kantone eine Rahmenvereinbarung, um die Koordinationsstelle «eHealth Suisse» zu schaffen. Bis Ende 2015 sollten alle Personen in der Schweiz ihren Gesundheitsfachpersonen elektronischen Zugriff auf behandlungsrelevante Informationen gewähren können.
Im April 2017 trat das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier in Kraft – der Startschuss für ein neues digitales Zeitalter. Technisch wurde das System auf internationalen Prozessdefinitionen und Standards (IHE-Profile: PIXv3, PDQv3, XDS, ATNA, XUA) aufgebaut und um schweizerische Eigenheiten (PPQ, CPI, ATC) ergänzt. Das EPD sollte als dezentrales Dokumentenablagesystem fungieren. Die erste Gemeinschaft, die das System in Betrieb nahm und die Zertifizierung erfolgreich abschloss, war die Stammgemeinschaft eHealth Aargau (emedo). Es folgten sechs weitere Gemeinschaften mit Systemen von insgesamt vier verschiedenen Herstellern.
2017 wurde die ursprüngliche Strategie aus dem Jahr 2007 mit der «Strategie eHealth Schweiz 2.0» bis 2024 verlängert, da die Umsetzung deutlich länger dauerte als geplant.
Aufgrund der doppelten Freiwilligkeit, der fehlenden Akzeptanz und der praktisch inexistenten Anbindung von Primärsystemen kam das EPD nie wirklich in Fahrt. Es wurde oft als «PDF-Friedhof» bezeichnet – obwohl durchaus verschiedene Austauschformate mit hoch strukturierten Daten definiert und zugelassen wurden.
Mittlerweile haben sich praktisch alle (Stamm-)Gemeinschaften zusammengeschlossen und nutzen gemeinsam die einheitliche Plattform CARA. Damit hat sich der Markt selbst reguliert und aus einem ursprünglich dezentral gedachten System ein zentrales System entwickelt, das die gesetzlichen Auflagen nach wie vor erfüllt.
Gemeinsamkeiten – fehlende Quellen
Bei praktisch allen beschriebenen Systemen zeigen sich Gemeinsamkeiten, wenn es um den Datenaustausch geht: Solange Dokumente (z. B. PDFs) ausgetauscht werden, lassen sich die beteiligten Primärsysteme meist ohne grössere Probleme integrieren. Sobald es jedoch um strukturierte Daten geht, stossen die meisten Primärsysteme an ihre Grenzen. Sie wurden vorwiegend für die Administration von Patientendaten und die Abrechnung von Leistungen konzipiert, nicht für die strukturierte Erfassung klinischer Daten – man ist daher sehr rasch mit unstrukturierten Freitextdaten konfrontiert. Medikamente und Impfungen bilden dabei weniger ein Problem, da sie auf Produkten basieren, deren Informationen in entsprechenden Datenbanken strukturiert vorliegen und über eindeutige Identifikatoren (GTIN) verfügen, sodass sie als strukturierte Daten genutzt werden können. Bei allen übrigen Daten braucht es neben dem Freitext eine Transformation in codierte Elemente, deren Codes möglichst aus einheitlichen, idealerweise internationalen Codesystemen wie z.B. SNOMED Clinical Terms® (SNOMED CT®) oder LOINC stammen (Semantik).
Mit dem Aufkommen künstlicher Intelligenz (KI) und von Large Language Models (LLM) für spezifische Anwendungen im Gesundheitswesen haben sich die Möglichkeiten, aus Texten strukturierte Datensätze zu gewinnen, massiv verbessert – ein durchaus wichtiger Beitrag zur weiteren Digitalisierung. Es braucht jedoch weiterhin die Fachperson, welche die von der KI produzierten Daten verifiziert und freigibt. Dem Sicherheitsaspekt muss dabei ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt werden, denn Gesundheitsdaten sind besonders schützenswert. Hier sind die Hersteller stark gefordert, diesen Schutz auch entsprechend zu gewährleisten.
Die Hersteller der sind deshalb gefordert, ihre Systeme dahingehend zu erweitern, dass sie auch die klinischen Daten strukturiert erfassen, speichern und austauschen können. Die Logik und Usability der Anwendungen sollte die Gesundheitsfachpersonen dabei unterstützen, die Daten erleichtert erfassen zu können.
Standardisierungsorganisationen
Damit sich die im Gesundheitswesen tätigen Standardisierungsorganisationen besser Gehör verschaffen und auch Einsitz in Bundesgremien nehmen können, haben sich sieben Organisationen zu engerer Zusammenarbeit und besserem Informationsaustausch unter dem Name ehealthstandards.ch zusammengefunden und ein Memorandum zur Zusammenarbeit im Bereich «Digitale Gesundheit» publiziert. Ein von ihnen bestimmter Vertreter konnte Einsitz in die Fachgruppe Datenmanagement des Bundes nehmen.
Ein Überblick über die Organisationen und ihre Gründungsdaten:
Zeitstrahl Gründung Standardisierungsorganisation
Die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) zählt zu den älteren dieser Organisationen und wurde am 1. Juli 1919 in Baden als «Schweizerischer Normalien-Bund» gegründet, später in SNV umbenannt. 1962 wurde sie formell als Verein konstituiert. Sie agiert jedoch nicht ausschliesslich gesundheitsspezifisch.
Die HL7-Benutzergruppe Schweiz wurde im Jahr 2000 als Affiliate der internationalen Organisation HL7 International gegründet. Der Standard HL7® v2® war damals der massgebliche Standard der Organisation und fand im Laufe der Zeit breite Anwendung, insbesondere im Spitalumfeld, wo er auch heute noch verbreitet im Einsatz ist. Weitere Standards wie HL7® v3®, HL7® CDA® und HL7® FHIR® folgten.
Der Verein eCH wurde 2002 auf Initiative des Informatikstrategieorgans Bund gegründet, mit dem Zweck, eGovernment in der Schweiz zu fördern sowie Normen und Standards zu entwickeln, welche die elektronische Zusammenarbeit zwischen Behörden sowie zwischen Behörden und Privaten, Unternehmen, Lehr- und Forschungsanstalten erleichtern.
GS1 Switzerland entstand 2005 aus der Fusion der drei Verbände EAN Schweiz, Schweizerische Gesellschaft für Logistik und ECR Schweiz. Die internationale GS1-Organisation selbst ist älter (Ursprung EAN 1977).
IHE Suisse, die Schweizer Landesorganisation der internationalen IHE-Initiative, wurde 2010 gegründet.
Im August 2022 wurde der Verein Forum Datenaustausch gegründet, der den digitalen Datenaustausch zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern im administrativen Gesundheitswesen fördert. Er übernahm die Standards einer zuvor informellen Arbeitsgruppe bzw. einfachen Gesellschaft, die ebenfalls bereits in den 2000er-Jahren gegründet worden war.
Die Gründungssitzung von openEHR Switzerland fand am 14. März 2024 statt – als gemeinnütziger Verein zur Förderung des offenen openEHR-Standards für Gesundheitsdaten.
Das EGD – ein Neuanfang?
Mit der geplanten Gesetzesrevision hat das EPD auch einen neuen Namen erhalten: elektronisches Gesundheitsdossier (EGD). Damit soll die Grundlage geschaffen werden, den elektronischen Datenaustausch rund um die Gesundheit einer Person zu ermöglichen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass das EPD nun endgültig abgeschafft wird – vielmehr soll es in das neue System überführt werden. Die bereits bestehenden Dossiers samt ihren Daten sollen erhalten bleiben und als Grundlage dienen. Darauf lassen sich dann – sofern die angepassten gesetzlichen Grundlagen dies zulassen – mit erweiterten Möglichkeiten neue Funktionalitäten und Formate ergänzen, die dem System den nötigen Mehrwert bringen.
DigiSanté und Swiss Health Data Space
DigiSanté ist das nationale Programm zur Förderung der digitalen Transformation im Gesundheitswesen. Es startete Anfang 2025 und läuft bis 2034, mit dem Ziel, die Behandlungsqualität, die Patientensicherheit und die Effizienz des Gesundheitssystems zu erhöhen.
Die Festlegung von Standards für Struktur und Inhalt der Daten soll die Interoperabilität sowie das Once-Only-Prinzip möglichst durchgängig sicherstellen. Auf dieser Grundlage sollen sich Systemanbieter orientieren können, um ihnen Planungs- und Investitionssicherheit zu bieten.
In diesem Zusammenhang wurde das Projekt Swiss Health Data Space (SwissHDS) ins Leben gerufen. Der SwissHDS definiert einen virtuellen Raum, in dem Gesundheitsdaten sicher, gesetzeskonform, vollautomatisiert und standardisiert ausgetauscht werden können.
Die Fachgruppe Datenmanagement im Gesundheitswesen(FDMG) hat im Juni 2026 entschieden und gibt offiziell den Standard HL7® FHIR® als Grundlage für den Datenaustausch im Schweizer Gesundheitswesen vor. HL7® FHIR® soll auch verbindlich für Schnittstellen und Transaktionen innerhalb des Gesundheitsdatenraum Schweiz (SwissHDS) des Programms DigiSanté werden (Quelle: Der Standard HL7® FHIR® als Fundament des SwissHDS).
Dieser Entscheid ist aber nur ein Teil der wegweisenden Richtungsgebung, denn für eine echte und funktionierende Interoperabilität braucht es noch einiges mehr an Entscheide wie z.B. der verbindlichen Festlegung der Codesysteme (Semantik), der Security und weiteren Faktoren.
Sobald diese Vorgaben klar und auch verbindlich festgelegt wurden, entsteht Investitionssicherheit für die Hersteller der Systeme im Gesundheitswesen. Erst dann werden all die Ideen, Konzept und Spezifikationen ein lebendiges digitales Ecosystem ermöglichen.
Zusammenfassung
Die Entwicklung zeigt ein wiederkehrendes Muster: Ambitionierte Strategien treffen auf ein föderalistisch fragmentiertes System mit vielen Akteuren – Kantonen, Krankenkassen, Spitälern, Ärzteschaft –, was die Umsetzung immer wieder verzögert hat. Erst externe Schocks wie die Pandemie haben spürbaren politischen Druck erzeugt. Mit DigiSanté liegt nun erstmals ein langfristig finanziertes, umfassendes Programm vor – der Erfolg wird sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen.
Seit Juni 2025 sind FHIR-Schnittstellen (HL7® FHIR® Standard) gesetzlich für die EPD-Anbindung verankert.
Ein künftiges elektronisches Gesundheitsdossier (EGD) soll das heutige EPD ablösen und stärker in den geplanten SwissHDS integriert werden.
Trotz Fortschritten gilt die Schweiz im internationalen Vergleich weiterhin als Nachzüglerin: Bei der digitalen Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems rangierte sie 2021 auf Platz 15 von 63 untersuchten Ländern, mit Dänemark an der Spitze.
Aufgrund von Sparvorgaben des Parlaments für 2027 und die Folgejahre musste DigiSanté seine Projekte bereits neu ausrichten – die Finanzierung bleibt somit politisch umkämpft.